Website-Besucher ohne Tracking-Cookies ermitteln

Tracking-Blocker und DSGVO: wie viele Besucher habe ich eigentlich wirklich auf meiner Seite?

Denkanstoß #8

In wenigen Schritten die Qualität des eigenen Trackings beurteilen

Im Nachfolgenden zeigen wir einfache Wege, um zu prüfen wie sehr Tracking-Blocker und Cookie-Consent-Layer unser Tracking beeinflussen. Unser technischer Leiter verrät natürlich auch, wie man mit serverseitigem Tracking wieder zu einer aussagekräftigen Website-Statistik kommt.

Tracking-Blocker

Fast alle Websites haben seit Herbst 2019 zwei große Wellen von sinkenden Benutzerzahlen erlebt.

Die erste Welle wurde – von den IT-Medien noch recht wenig beachtet – durch mehrere Browserhersteller ausgelöst. Im September begann Apple mit der Version 13 seines Safari-Browsers Tracking-Pixel und -Cookies zu blockieren, im Oktober folgte Firefox mit der Version 70 und die Version 64 von Opera. Auch die Chromium-Variante von Edge enthält seit ihrem Livegang im Januar 2020 einen Trackingblocker.

Nach Mozilla-Angaben wurden allein im Firefox seit der standardmäßigen Aktivierung von "Enhanced Tracking Protection" zwischen Okt. 2019 und Juli 2020 3,4 Billionen Tracking-Cookies blockiert!

In der Summe haben diese Browser bis zu 45% Marktanteil, entsprechend bemerkbar kann der Rückgang der Trackingzahlen schon gewesen sein. Auch für Chrome ist das Blockieren von Third-Party-Cookies inzwischen angekündigt.

Die Datenschutz-Grundverordnung

wurde im April 2016 verabschiedet und trat im Mai 2018 in Kraft. Und zunächst bescherte die DSGVO den Websitebetreibern "nur" einen unschönen Cookie-Hinweis-Layer, den der Verbraucher einfach mit einem "Ok" wegklicken konnte. Das führte im schlimmsten Fall nur zu ein paar mehr Absprüngen auf der Startseite.

Im Oktober 2019 urteilte dann das EuGH, dass der Besucher der Speicherung von Cookies vorab ausdrücklich zustimmen muss (Cookie-Opt-In), im Mai 2020 hat das BGH diese Auslegung der Rechtsprechung bestätigt.

Seitdem müssten Website-Besucher Tracking-Cookies aktiv zulassen, bevor ihr Besuch erfasst werden darf. "Müssten" – denn leider tun sie das oft nicht. Zum einen ist die Auswahl der zuzulassenden Cookies eine nervende Störung des Websitebesuchs, zum anderen gibt es eine sinkende Bereitschaft den großen Trackingdiensten aus USA Daten zu überlassen.

Da beide Ereignisse sich zeitlich überschnitten haben können und die technischen Maßnahmen sich auch noch gegenseitig aushebeln (ein Verbraucher, der der Cookie-Speicherung durch Google Analytics zustimmt, aber im Browser den Tracking-Blocker aktiv hat, wird trotz Zustimmung nicht erfasst) läßt sich die Ursache für den vermeintlichen Besucherrückgang nicht eindeutig zuordnen und sowohl quantitativ wie qualitativ manchmal schwer fassen.

Um zu wissen, ob man überhaupt noch mit aussagekräftigen Trackingzahlen den Erfolg seiner Kampagnen beurteilen kann oder seine Tracking-Technik verbessern muss, genügen zunächst ein paar einfache Schritte:

Schritt 1

Kurze Vergleichs-Analyse

Werden auf ihrem Server Web-Logs erfasst? Das Speichern der Logs kann in der Regel mit dem Verweis auf ein berechtigtes Interesse gesetzeskonform erfolgen.

Um eine ungefähre Vorstellung von der Anzahl der nicht erfassten User zu bekommen reicht es, einmal die gute alte Log-File-Analyse zur Auswertung eines Monats zu verwenden. Wichtig ist es, dabei eine Software zu verwenden, die Bots herausfiltert. Will man auf eine zeitgemäße Darstellung der Log-Statistik nicht verzichten kann man übrigens die Trackingsoftware Matomo auch für diese Log-File-Analyse verwenden.

Wirklich vergleichen kann man nur die Zahl der Besuche, nicht die der (wiederkehrenden) Besucher.

Weicht die Zahl der Besuche in der Log-File-Analyse nur 10-15% von der Anzahl der Visits in der Tracking-Software ab, so können Sie ruhigen Gewissens Ihr bestehendes Tracking-Tool und Ihren Cookie-Consent weiterverwenden.

Eine Methode um die Blockierung durch Browser zu umgehen ist das serverseitige Tracking. Dabei wird der Tracking-Request nicht vom Browser aus gesendet, sondern vom Server der Ihre Webseiten ausliefert. Es stehen dort zwar weniger Detaildaten als im Browser zur Verfügung (der Server weiß z.B. nichts von der Bildschirmauflösung Ihres Users), aber mit ein wenig Aufwand läßt sich das Erfassen von Userdaten so aufrüsten, dass ein guter Kompromiss zw. klassischem Browser-Tracking und Log-File-Auswertung erreicht werden kann. Dazu ist eine genaue Festlegung aller relevanten KPIs ebenso nötig wie auch individuelle Lösungen.

Für die Trackingsoftware Matomo läßt sich diese Technik gut implementieren. Und natürlich gibt es auch Möglichkeiten Google Analytics mit Serverside-Tracking nutzen.

Ein bewegender Beitrag von: Uwe

Über den Autoren

Uwe ist Geschäftsführer und technischer Leiter der Netzbewegung. Software-Entwicklung ist seit seinem ersten Sinclair ZX Spectrum von 1984 Uwes Ding.

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Alwin Roppert

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