Warum starke Farben beim Verkaufen helfen.
Farbe ist ein starker Trigger. Vor allem, wenn es darum geht, im Supermarktregal an der richtigen Stelle zuzugreifen. Aber auch in anderen Bereichen werden starke Farben als potentes Branding-Instrument genutzt. Ich denke dabei zum Beispiel sofort an das Magenta der Telekom.
Warum ist das so?
Farbe kann helfen, die kognitive Last beim Treffen einer Einkaufsentscheidung zu verringern. Das Gehirn muss sich im günstigsten Fall lediglich eine Farbe merken, keinen Namen und kein Logo.
Was sagt unser Unterbewusstsein?
Lauschen wir einmal dem fiktiven Selbstgespräch unseres Unterbewusstseins während eines Supermarktbesuchs:
„Ach ja, ich hatte doch diesen tollen Beitrag über Salzstangen gesehen. Da wurde erklärt, warum die so lecker sind. Wieso nochmal? Egal. Hauptsache, sie schmecken lecker! Die sahen auf jeden Fall lecker aus. Die sind bestimmt lecker. Die will ich unbedingt probieren. Unbedingt. Ich hol’ sie mir jetzt einfach. Wie hießen die nochmal? Ach, egal. Blau. Genau, die waren blau! Da sind sie ja! Rein in den Einkaufswagen damit!“
So oder so ähnlich trifft unser System 1 (vgl. Daniel Kahneman, „Schnelles Denken, langsames Denken“1) Entscheidungen, ohne dass sie uns oft so richtig bewusst werden. Dabei geht es darum, die Speicherauslastung unseres Gehirns zu minimieren und das energieintensive System 2 nur zuzuschalten, wenn es gar nicht anders geht. Zum Beispiel bei Matheaufgaben.
In einem Supermarktregal, in dem alle Mitbewerber auf rote Verpackungen setzen (weil „der Verbraucher das so kennt“), ist Blau daher eine kluge Wahl für Branding und Verpackungsgestaltung, weil es beim Konsumenten kognitive Last erheblich verringert.
Die Farbe der Vernunft?
Das gilt in ähnlicher Form auch für das B2B-Marketing. In manchen Branchen sind viele Unternehmen durchgehend blau. Also rein farblich betrachtet, natürlich.
Blau ist schließlich die Farbe der Vernunft und steht für Seriosität. Vor allem in Deutschland. Mit dem Effekt, dass viele Unternehmen sich im Auftritt ähneln und oft leicht unterkühlt wirken.
Mit einem mutigen Colourcode ist es in vielen Branchen leicht, sich von seinen Mitbewerbern abzuheben und im Gedächtnis zu bleiben. Es kann also durchaus vernünftig sein, eine Farbe jenseits des Branchenstandards zu wählen.
1 Daniel Kahneman, Schnelles Denken, langsames Denken, München: Siedler Verlag 2012